Zentrum für gemeinwohlorientierte Gründung, Transformation, Engagement

Zentrum für gemeinwohlorientierte Gründung, Transformation, Engagement

Alpakas, Gurkenbrause und RegionalLiebe

Angermünde
Ein Laden, eine Koppel und die Frage: Warum eigentlich nicht?

Zwei Frauen aus Angermünde. Mutter und Tochter. Zwei Ideen, die nichts miteinander zu tun haben. Und am Ende doch sehr gut zusammenpassen.

Diana steht in der Rosenstraße vor einem Laden und schaut durchs große Fenster: „Dauerhaft geschlossen“ steht da. Früher war hier der Regionalladen, für viele ein fester Treffpunkt in der Altstadt. Für sie ist es ein Moment, der alles verändert. Sie geht nach Hause, spricht mit ihrer Familie, und innerhalb kurzer Zeit fällt die Entscheidung: Sie übernimmt. Sechs Wochen später ist der Laden wieder offen. RegionalLiebe.
Heute sagt sie: „Ich habe super schnell gehandelt. Und im Rückblick würde ich vieles anders machen. Aber ich würde es wieder tun.“
Diana ist Altenpflegerin, Mutter von fünf Kindern, Quereinsteigerin. Ein Café an der Ostsee war lange ihr Traum. Jetzt wuselt sie in Angermünde hinter der Theke und baut sich etwas Eigenes auf. Ohne Meer, ohne großen Plan, aber mit viel Einsatz und Herzblut. Sie organisiert Lieferanten, richtet den Laden ein, probiert aus, was funktioniert.
Inzwischen hat sie ihren ursprünglichen Job gekündigt und macht alles anders. Denn einen Ort zu übernehmen, den es schon einmal gab, ist schwieriger als gedacht: Der alte Regionalladen wirkt nach, in den Köpfen, in den Erwartungen. Viele vergleichen. Aber Diana geht Schritt für Schritt weiter, auf ihre eigene Art.
Der Tag beginnt früh. Manchmal um vier Uhr morgens. Dann backt sie Kuchen. Später macht sie Kaffee, bereitet Flammkuchen und Waffeln zu, deckt Tische fürs Frühstück am Wochenende. Viele, die reinkommen, kennt sie inzwischen. Beim Namen, beim Kaffee, bei den Gewohnheiten.

Diana und ihre Tochter Lara

Ein Laden, ein Wohnzimmer ein Treffpunkt

Im Regal stehen Produkte aus Brandenburg. Honig, Öl, Getränke, kleine Dinge, die man mitnehmen kann. Präsentkörbe werden gepackt, oft für Menschen, die nur kurz da sind. Kurgäste und Fahrradtourist*innen nehmen sich ein Stück Angermünde mit nach Hause.
Und dann ist da diese Gurkenbrause. Viele greifen erst zögerlich zu. Gurken mit Kohlensäure? Inzwischen ein Alleinstellungsmerkmal in der Stadt.
Die RegionalLiebe ist kein fertiger Ort. Sie ist im Aufbau. Zwischen Alltag und Anspruch, zwischen dem, was möglich ist, und dem, was sich erst noch zeigen muss. Konkurrenz gibt es genug, neue Läden kommen dazu. Diana bleibt dran, passt an, hört zu. Die Familie trägt das mit. Wenn es voll wird, stehen die Kinder oder der Mann mit im Laden. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Es ist ein Projekt, das nicht allein funktioniert.

Mit Tieren ankommen

Ein paar Kilometer weiter eine Koppel. Früher standen hier Pferde. Heute grasen und galoppieren hier Alpakas und ein paar Hühner schauen zu. Lara, Dianas Tochter ist auf Reisen immer wieder auf diese Tiere gestoßen. Sie und ihr Partner haben sie beobachtet, sind mit ihnen gelaufen, haben erlebt, wie ruhig sie sind. Irgendwann kam der Gedanke: Warum eigentlich nicht selbst?
Die Fläche war da. Also haben sie angefangen. Erst ein paar Tiere, dann mehr. Heute ist es eine kleine Herde. Und zwei Lamas.
Eins davon heißt Pepper. Pepper fällt auf. Sie läuft mit. Manchmal auch bis in die Stadt. Eine gute Stunde von der Koppel bis nach Angermünde, mit Lara an der Seite und genug Leckerlis in der Tasche. Wer sie sieht, bleibt stehen. Manchmal endet der Weg vor der RegionalLiebe. Pepper steht vor dem großen Fenster, schaut hinein. Diana zwinkert ihr zu. Das erste Alpaka Café in der Uckermark? Manchmal irgendwie schon. Und warum auch nicht? Lara arbeitet als Erzieherin und macht eine Weiterbildung im Bereich tiergestützter Therapie. Die Tiere sind dafür mehr als Kulisse. Sie reagieren auf Menschen. Auf Lautstärke, auf Tempo, auf Unruhe. Wer langsamer wird, kommt näher ran. An die Tiere und an sich selbst.

Heute bietet Lara Alpaka-Wanderungen an. Spaziergänge mit Lamas und Alpakas, draußen, mit Zeit. Und Picknicks auf der Wiese. Auf Wunsch mit bunt gefüllten Körben aus dem Laden ihrer Mutter. Die Zusammenarbeit ergibt sich einfach. Wie vieles hier. Es ist kein durchgeplantes Geschäftsmodell. Es ist etwas, das wächst. Mit jeder Erfahrung, mit jedem Besuch.

Zurück in der Stadt läuft der Laden weiter. Kaffee läuft durch die Siebträgermaschine, Kuchen wird gekauft, neue Präsentkörbe gepackt. Menschen kommen rein, bleiben kurz, bleiben länger. Für Diana ist der Laden manchmal fast wie ein Wohnzimmer. Eigentlich ist sie schüchtern, doch der Laden bringt ihr bei, wie schön es manchmal mit Fremden sein kann.
Am Ende geht es nicht um Perfektion. Es geht um den Schritt, überhaupt anzufangen. Langsam wie Pepper. Oder im Galopp wie Giselle.

Zwei Frauen, die nicht gewartet haben, bis alles passt. Die Risiken in Kauf nehmen, sich gegenseitig tragen, Entscheidungen gemeinsam treffen. Selbstständigkeit ist hier kein Konzept auf Papier. Sondern Alltag, Familie, Unsicherheit . Und der feste Wille, es trotzdem zu machen.

Das gibt´s alles in Angermünde

Infos

Ort

Angermünde Innenstadt
Angermünde OT Dobberzin

Gründerinnen

Diana und Lara Bielke

Kontakt

RegionalLiebe

Rosenstraße 3, 16278 Angermünde

Instagram: @regionalliebe

 

Alpakas aus der Uckermark

Dobberziner Dorfstraße 12

16278 Angermünde

 

Lara Telefon: +49 1520 5867291 

E-Mail: lara.bielke@gmx.de

 

 

 

Angebot

RegionalLiebe
Café mit Kuchen, Flammkuchen, Waffeln und Frühstück am Wochenende
Regionale Produkte und Präsentkörbe

Öffnungszeiten:

Montag Ruhetag 

Dienstag bis Freitag 10-18

Samstag und Sonntag 9-18 

Sa & So: Frühstück

 

Alpakas aus der Uckermark
Koppel in Dobberzin
Spaziergänge mit Lamas und Alpakas 

(ca. 1–2 Stunden)
Picknicks auf der Wiese (15€ p. P. /2 Stunden)
Koppelbesuche und Führung (10€ / 1 Stunde)
Buchung: nur nach Voranmeldung
Preis: ca. 25 € pro Person (Spaziergang)

Nadine Engel

Designerin und Gründerin des Zaza Design Studios. Lange lebte und arbeitete sie in Berlin, bevor sie 2021 während der Pandemie in die Uckermark zog.

Mit ihr kamen ihr Mann, ihre Tochter und ihre Mutter. Die Salveymühle ist damit nicht nur ein Projekt, sondern auch ein Familienunternehmen: getragen von viel Teamwork, Gestaltungslust und der Entscheidung, einfach zu machen.

Weitere Artikel

PFHAU: Urbanistik im Dorfmaßstab

Alpakas, Gurkenbrause und RegionalLiebe

Nadine Engel und die Salveymühle

Mehr WIR – und warum wir das nicht allein machen

Für die Kinder. Für die Region. Wie die Städtischen Werke Angermünde Gemeinwohl leben

Was passiert, wenn Jugendliche das Museum übernehmen?

Sprechstunde